„Hope will never be silent“ Harvey Milk

Karola Regent (Hannele Zürndorfer)

verstorben

Gestern haben wir erfahren, dass Karola Regent im Alter von 98 Jahren verstorben ist. Die meisten Menschen in Düsseldorf kannten sie unter ihrem Mädchennamen: Hannele Zürndorfer.

Geboren wurde sie am 5. Dezember 1925 als Tochter von Adolf und Elisabeth Zürndorfer, geborene Rheinheimer. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Lotte wuchs Hannele in Gerresheim auf. Ihre Lebenserinnerungen, erstmals 1988 veröffentlicht, veröffentlichte sie 1997 in einer überarbeiteten Auflage in Düsseldorf unter dem Titel: Verlorene Welt. Jüdische Kindheit im Dritten Reich. Ein besonders Kapitel betrifft den Überfall auf ihre Familie während des Novemberpogroms 1938. Kurz darauf konnten Hannele und ihre Schwester Nazideutschland mit Hilfe eines Kindertransports verlassen.

Großbritannien wurde ihre zweite Heimat. Ihre Eltern konnten ihnen nicht rechtzeitig folgen und wurde 1941 deportiert und überlebten nicht. Dennoch reichte Karola Regent Düsseldorf wieder die Hand. Sie stand uns, der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, für Gespräche zur Verfügung. Wichtig war ihr auch besonders unsere pädagogische Arbeit und der Kontakt mit jungen Menschen. Im Jahr 2001 prägte sie beispielsweise als Zeitzeugin ein mehrtägiges Ferienprogramm in der Gedenkstätte. Seit 2003 trägt ihre alte Grundschule in Düsseldorf-Gerresheim ihren Namen.

Wir und Düsseldorf verlieren in ihr eine sympathische Kämpferin für Toleranz und Dialogbereitschaft.

[Fotos: Karola Regent bei der Namensgebung der Hanna-Zürndorfer-Grundschule / Erster Schultag 1932 / Mit Schwesterchen Lotte und ihrem Vater Adolf Zürndorfer]

DER KATALOG IST DA!

Brandgefährlich der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung

Der Katalog BRANDGEFÄHRLICH zur gleichnamigen Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf thematisiert unter anderem dass Verhalten der Feuerwehr während des Novemberpogroms 1938, in der auch in der Düsseldorfer Innenstadt sowie in Benrath die Synagogen brannten. Sie fragt nach der Personalpolitik und der ideologischen Ausrichtung, beleuchtet die Rolle der Feuerwehr bei der im Juli 1942 erfolgten Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Düsseldorf ins Ghetto Theresienstadt. Auch die Entnazifizierung der Düsseldorfer Berufsfeuerwehr wird beleuchtet.

Der Katalog zur Sonderausstellung ist ab sofort erhältlich in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf oder im Buchhandel.

BRANDGEFÄHRLICH.
Die Düsseldorfer Feuerwehr 1933-1945, herausgegeben vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V.,
80 Seiten, zahlreiche Abbildungen, C.W. Leske Verlag, Düsseldorf 2023,
10 Euro, ISBN 978-3-946595-43-4.

STOLPERSTEINE IN DÜSSELDORF

NEUE HOMEPAGE MIT INFORMATIONEN ZU DEN DÜSSELDORFER STOLPERSTEINEN AB JETZT ONLINE

Die Mahn- und Gedenkstätte, der Förderkreis und das Vermessungs- und Katasteramt der Landeshauptstadt Düsseldorf haben am 23. August im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller eine Homepage vorgestellt und freigeschaltet, mit der man die „Stolpersteine“ und die dazugehörigen Biografien online suchen und finden kann.
Die Projektleiterin Hildegard Jakobs, stellvertretende Leiterin der Gedenkstätte, stellte das Onlineangebot vor. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Julia Blüm, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde hielten Grußworte und dankten der Historikerin. Thomas Weindel, Leiter des Vermessungs- und Katasteramtes, und sein Amt haben das digitale Kartenmaterial und die topografischen Daten beigesteuert.

Noch 2012 haben wir ein gedrucktes Buch mit den Biografien der NS-Opfer, derer mit einem Stolperstein gedacht wird, vorgelegt. Dies war sehr schnell vergriffen. Heute sind wir mit den digitalen Möglichkeiten ein gutes Jahrzehnt weiter“, so die Historikerin Hildegard Jakobs.
Für die Gedenkstätte und ihren Förderkreis ist es wichtig, die ermordete Person nicht nur mit knappen Daten und dem Grund der Ermordung, sondern mit einer Kurzbiografie und weiteren Informationen zu würdigen. „Das ergänzt das Projekt des Künstlers hier vor Ort sehr stark und beantwortet viele Fragen der Anwohnerinnen und Anwohner und wird auch verstärkt in der Bildungsarbeit der Gedenkstätte eingesetzt“, so Jakobs.

Unter www.gedenkstaetteduesseldorf.de ist der Zugang unter der Rubrik „Stolpersteine“ von nun an möglich. Dort kann nach Straßen und Namen gezielt gesucht werden.
Zusätzlich ist das Angebot auch über www.maps.duesseldorf.de verlinkt. Unter der Rubrik: Kultur und Tourismus/Stolpersteine kann die gesamte Stolperstein-Karte eingesehen werden.


zu den Stolpersteinen

NEUE MATERIALIEN

„VIER NEUE DIDAKTISCHE WORKSHOP-MATERIALIEN“ Tandemprojekt „Spannungsfeld Gedenkstättenarbeit in einer wandelnden Gesellschaft“

Am 10. August 2023 präsentierte die Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf vier didaktische Workshop-Materialien, die im Rahmen des Tandem-Projektes „Spannungsfeld Gedenkstättenarbeit in einer sich wandelnden Gesellschaft“ gemeinsam mit der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld – Villa Merländer entwickelt wurden. Dieses Projekt wurde durch das Förderprogramm „Jugend erinnert“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien initiiert. Die Projektkoordination übernahm Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, während die Umsetzung durch die pädagogischen Mitarbeitenden Daniel Simon (NS-Dokumentationsstelle Krefeld) und Milena Rabokon (Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf) erfolgte.
Die beiden pädagogischen Mitarbeitenden stellten die Workshop-Materialien zusammen mit Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle Krefeld, Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, und Astrid Hirsch von Borries, wissenschaftliche Mitarbeiterin für digitale Kommunikation der nordrhein-westfälischen Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration Josefine Paul vor. Ebenso nahm die Dezernentin für Kultur und Integration, Miriam Koch, an der öffentlichen Vorstellung teil.
Über einen Zeitraum von drei Projektjahren hinweg widmeten sich Daniel Simon und Milena Rabokon einer intensiven Archivrecherche. Diese eingehende Auseinandersetzung mit den Quellen bildete die Grundlage für die Entwicklung der Workshops. Dabei wurden jeweils vier Workshops für Krefeld und vier für Düsseldorf konzipiert:

„Nur für Arier“? – Sport im Nationalsozialismus
Auf der Fährte – „Unangepasste“ Jugendliche in der NS-Zeit
„Rädchen im Getriebe“? – Schreibtischtäter:innen in der NS-Zeit,
„Was hat das mit mir zu tun?“ – Flucht und Migration in der NS-Zeit.

Das Projekt verfolgt einen innovativen Ansatz, in dem Teilnehmer:innen durch speziell gestaltete pädagogische Workshop-Materialien erreicht werden, die bisher in den lokalen pädagogischen Bildungsangeboten kaum Berücksichtigung fanden. Dies ermöglicht beiden Städten, sich intensiv mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.
Die Workshops bieten den Teilnehmer:innen die Gelegenheit, sich eingehend mit der Geschichte des Nationalsozialismus zu beschäftigen. Dabei kommen ausgewählte Dokumente, Fotos und Interviews von lokalen Zeitzeug:innen zum Einsatz, um einen Austausch verschiedener Perspektiven zu ermöglichen. Die interaktiven und multimedialen Bildungsangebote ermutigen die Teilnehmer:innen, Vergangenheit und Gegenwart kritisch zu reflektieren und eigene Standpunkte zu entwickeln.
Das Projekt hat bereits verschiedene Zielgruppen erfolgreich angesprochen, darunter lokale Sportvereine, Jugendorganisationen, Ausbildungsstätten im Verwaltungsbereich sowie Integrationszentren.

Die Durchführung der Workshops findet in der Gedenkstätte statt. Die Termine müssen dort abgestimmt werden.

Wanderausstellung #StolenMemory

Mobile Ausstellung der Arolsen Archives auf dem Reeser Platz Vom 3. bis 22. August 2023

Gemeinsam mit den Arolsen Archives zeigen wir in Düsseldorf die Open-Air Wanderausstellung #StolenMemory. Im Mittelpunkt stehen der letzte Besitz von KZ-Inhaftierten und die Frage, wie es heute noch gelingt, diese sogenannten Effekten an Familien der Opfer zurückzugeben.
Zu sehen ist die Ausstellung in einem aufklappbaren Übersee-Container auf dem Reeser Platz.

„Effekten“ sind persönliche Gegenstände, die Häftlingen bei ihrer Ankunft in den Konzentrationslagern von den Nationalsozialisten abgenommen wurden. Oft waren es Eheringe, Uhren, Füller oder Brieftaschen mit Fotos. #StolenMemory ist eine Kampagne der Arolsen Archives zur Rückgabe dieser persönlichen Gegenstände an die Angehörigen. Über 680 Familien konnten seit dem Start der Kampagne 2016 bereits gefunden werden. Die Ausstellung zeigt Bilder solcher „Effekten“ und erzählt vom Schicksal von zehn NS-Verfolgten.

Das Ziel der Ausstellung: Aufmerksamkeit und Unterstützung

Unter der Überschrift „Gefunden“ lenkt die Ausstellung den Blick auf persönliche Gegen-stände, die bereits zurückgegeben werden konnten. Sie berichtet vom Verfolgungsweg der einstigen Besitzer:innen und den Rückgaben an ihre Familien heute. Mit dem Smartphone können die Besucher:innen über QR-Codes Videoportraits aufrufen, in denen die Angehörigen selbst zu Wort kommen.
Unter der Überschrift „Gesucht“ werden „Effekten“ gezeigt, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jede:r kann die Arolsen Archives bei der Rückgabe der Effekten unterstützen und sich selbst auf Spurensuche nach den Verfolgten und deren Familien begeben. Denn noch immer bewahrt das Archiv gestohlene Erinnerungsstücke von knapp 2.500 Personen aus ganz Europa auf.

Der emotionale Wert der Effekten

„Viele Opfer der Nationalsozialisten hinterließen keine materiellen Spuren für ihre Familien, weil die Nationalsozialisten ihnen alles nahmen“, so Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. Die Rückgabe der Effekten sei für die Angehörigen deshalb oft sehr unerwartet: „Einige von ihnen wissen nichts oder nur wenig über diesen Teil der Lebensgeschichte ihrer Großeltern, Eltern, Onkel und Tanten“. Umso wichtiger sei es, dass die Gegenstände in die Familien zurückkehrten.

Begleitend zur Ausstellung bietet die Website stolenmemory.org interessante Einblicke: Kurze, animierte Filme mit ergänzenden Webstories erzählen von individuellen Schicksalen. Diese Materialien wurden speziell für Jugendliche entwickelt und im Juni 2021 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Wissen und Bildung“ ausgezeichnet. Auf der Website steht zudem umfangreiches pädagogisches Material zum kostenlosen Download zur Verfügung, das von Schulen und Bildungseinrichtungen an allen Stationen der Wanderausstellung genutzt werden kann.

Wo: Düsseldorf, auf dem Reeser Platz
Wann: vom 3. bis 22. August 2023
Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei

Link zur Website #StolenMemory: https://stolenmemory.org/

LEHRHAUS: 80 JAHRE LANDESVERBAND JÜDISCHER GEMEINDEN
VON NORDRHEIN. EIN VORTRAG VON DR. INNA GOUDZ

Donnerstag, 19. März , um 18:30 Uhr im Beatrice-Strauss-Zentrum der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Marktstraße 2 (Innenhof).

Im November 1945, sechs Monate nach der Neugründung der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, wurde der „Landesverband der Nord-Rheinprovinz“ (später Nordrhein) mit Sitz in Düsseldorf gegründet. Zur Zeit seiner Gründung zählte der Verband 1.700 Gemeindemitglieder. Zu den Hauptaufgaben des Landesverbandes zählten die Bemühungen um die Restitution des Besitzes der Gemeinden sowie der Neuaufbau von Struktur- und Bildungssystemen. Heute ist der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein mit über 15.000 Mitgliedern der mitgliedsstärkste jüdische Verband bundesweit. In zwölf Städten betreiben acht Mitgliedsgemeinden religiöse, kulturelle, soziale sowie bildende Einrichtungen, die für ein vielfältiges jüdisches Gemeindeleben sorgen. Der Landesverband setzt sich für die Stärkung der Gemeinden, die Bewahrung des jüdischen Erbes sowie die Vermittlung von Werten zum Beispiel durch die Jüdischen Kulturtage ein.
Eine Veranstaltung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, der Jüdischen Gemeinde und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Düsseldorf.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos und eine Anmeldung nicht nötig.
Der Zutritt zum Beatrice-Strauss-Zentrum ist barrierefrei.